Erinnern Gudrun Krienke Historie Team Theaterprojekt

Wir erinnern uns…..alle 2 Wochen erinnern wir uns an die Theaterarbeit im Haus der Jugend

Erinnerungen von Gudrun Krienke ( Theaterregisseurin im Haus der Jugend)

Wie alles begann….

An einem Tag im September 1988, auf der Suche nach einen geeigneten Aufführungsort für das Stück Der Auftrag von Heiner Müller, entdeckte ich eine verlassene  Brauerei am Ende der Anhaltiner Straße in Zehlendorf. Im Rathaus Zehlendorf erkundigte ich mich nach den Eigentumsverhältnissen. Man schickte mich zum Jugendamt, da diese Gebäude in Zusammenarbeit mit einem Verein für Jugendarbeit genutzt werden sollten ( heute Werkhof-Zehlendorf e.V. ). Ich stellte mich vor und erläuterte mein Anliegen, einen dieser Räume für eine Theateraufführung nutzen zu können, aber die Umbauarbeiten waren schon geplant, also weitersuchen.

Da kam vom damaligen Amtsleiter die Frage: „Wollen Sie nicht mit unseren Jugendlichen im Haus der Jugend Theater machen, da gibt es sogar eine Bühne?“ Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Mit Laien hatte ich noch nicht gearbeitet und das auch nie in Erwägung gezogen. Meine letzten Inszenierungen Die Hamletmaschine (HdK) und Leonce und Lena (Cafetheater in der Paulstraße) waren sehr erfolgreich. „ Ich glaube nicht.“, war die Antwort. „Versuchen Sie es doch. Vielleicht ein Pilotprojekt?“  

Einige Tage danach suchte ich das Haus der Jugend auf. Ein Mehrzweckraum und eine kleine Guckkastenbühne ohne jegliche Technik, nein, so geht das gar nicht. Aber Molton, einige Scheinwerfer und ein Lichtmischpult wurden vom Jugendamt bewilligt und das 1. Theaterprojekt konnte starten. Wir hatten das Stück Jochen Schanotta von Georg Seidel gewählt. In dem Stück werden bestimmte Lebenssituationen eines 18jährigen Jugendlichen behandelt. Die Frage, lohnt es sich erwachsen zu werden und zu welchen Bedingungen, zieht sich durch das ganze Stück.

Zitat

Ich war ungefähr sieben. Wir kamen in einen sehr großen Raum. Jetzt geht richtig was los, hab ich gedacht. Ein Mann kam und gab uns allen ein Stück graue Pappe. Erst schneiden wir die Ränder ganz gerade und wer das gemacht hat, dem stemple ich einen Vogel drauf, den malt ihr dann grün. Als der Lehrer zu mir kam, hatte ich schon selbst einen Vogelgemalt. Wir malen alle den gleichen Vogel aus, sagte er und stempelte. Ich Idiot habs gemacht und am Ende hatte ich den gleichen Vogel wie alle. (Jochen Schanotta)

Am 11. Januar 1989 war das 1. Treffen und danach begannen die Proben. Meine schlimmsten Befürchtungen wurden noch übertroffen. Die Proben wurden anfangs nach Lust und Laune von den Jugendlichen wahrgenommen oder abgesagt, so dass die angepeilten Aufführungstermine von Ende April auf Anfang Juli verschoben werden mussten. Einmal und nie wieder, dachte ich. Es sollten  daraus 16 Jahre werden.

Am 7. Juni fand die Premiere statt. Unangemeldet und überraschend erschien der Autor des Stückes aus der DDR. Er hatte über den Verlag eine Ausreisegenehmigung erhalten. In einem Gespräch über unsere Inszenierung nach der Aufführung bot er uns die westdeutsche Erstaufführung seines neuen Stückes an, an dem er noch schrieb. Wir haben Die Königskinder dann 1994 auch aufgeführt.

Am 3. Juni 1989 gab es am Landestheater Eisenach eine Premiere der Stücke Leonce und Lena und Jochen Schanotta. Wir wollten uns die Aufführung ansehen. Nach den Sommerferien nahm ich Kontakt zum Theater auf, um uns für eine Vorstellung am 7. November anzumelden, mit der Hoffnung ins Gespräch zu kommen. Leider mussten wir dann kurzfristig absagen, da das Bezirksamt uns die Reise als Gruppenreise wegen der politischen Situation nicht genehmigte.

Mit alten und neuen Teilnehmern am Theaterprojekt, so ab jetzt der Name, trafen wir uns zum nächsten Stück: Die Geschichte der Angst von John Kostmayer.